Wir halten inne

Zu Beginn des Neuen Jahres
Dein ist das Jahr, dein ist die Zeit.
Dein, Gott, ist alle Ewigkeit.
Dein ist die Welt, auch wir sind dein;
Kann keins hier eines andern sein.
Dein ist der Tag und dein die Nacht,
Dein, was versäumt, dein, was vollbracht.
So gehn wir, Gott, aus dem, was war,
Getrost hinein ins neue Jahr,
Ins Jahr, dem du dich neu verheißt,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist.
Arno Pötzsch


Weihnachten
Mein Gott, dein hohes Fest des Lichtes
hat stets die Leidenden gemeint.
Und wer die Schrecken des Gerichtes
nicht als der Schuldigste beweint,
dem blieb dein Stern noch tiefverhüllt
und deine Weihnacht unerfüllt.

Die ersten Zeugen, die du suchtest,
erschienen aller Hoffnung bar.
Voll Angst, als ob du ihnen fluchtest,
und elend war die Hirtenschar.
Den Ärmsten auf verlassenem Feld
gabst du die Botschaft an die Welt.

Die Feier ward zu bunt und heiter,
mit der die Welt dein Fest begeht.
Mach uns doch für die Nacht bereiter,
in der dein Stern am Himmel steht.
Und über deiner Krippe schon
zeig uns dein Kreuz, du Menschensohn.

Herr, dass wir dich so nennen können,
präg unseren Herzen heißer ein.
Wenn unsere Feste jäh zerrönnen,
muss jeder Tag noch Christtag sein.
Wir preisen dich in Schmerz, Schuld, Not
und loben dich bei Wein und Brot.
Jochen Klepper

 
Gott landet leise - nicht nur in der Krippe, auch in unseren Herzen.
In jeder echten Selbsterkenntnis, in jedem Sinneswandel, in jedem guten Gedanken, in jedem Erwachen von Liebe und Einfühlung. in jedem Entschluss zu helfen, landet Gott in unserem Herzen - fast immer - leise. Gott landet leise.
Reinhold Stecher

 

Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren,
Halte Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.
Hermann Hesse

 

An einem Sommermorgen
da nimm den Wanderstab,
es fallen deine Sorgen
wie Nebel von dir ab.

Des Himmels heitere Bläue
lacht dir ins Herz hinein
und schließt, wie Gottes Treue,
mit seinem Dach dich ein.
Theodor Fontane

 

Windhauch soll kommen von Gott,
doch den glimmenden Docht wird Er nicht löschen.
Sein Atem ist Leben.

Windhauch soll kommen von Gott,
die Glut des Glaubens will Er entfachen.
Sein Atem belebt.

Windhauch soll kommen von Gott,
doch das geknickte Rohr wird Er nicht brechen.
Sein Atem heilt.

Windhauch soll kommen von Gott,
doch den schwankenden Baum wird Er halten.
Sein Atem ist Kraft.

So segne uns Gottes heilender Geist,
jene große Kraft göttlicher Lebendigkeit,
die damals die Apostel aus ihrer Angst erlöste
und die weiterwirken will in jedem von uns.
Herbert Jung

 

Der Stein kam ins Rollen:
in jener Osternacht,
an jenem Ostermorgen,
an jenem Ostersonntag –
und an vielen österlichen Tagen.

Die Botschaft bekam Beine:
durch jene Osterfrauen,
durch jenen Osterengel,
durch jene Osterzeugen –
damals und heute.

Der Weg wuchs im Gehen:
bei Maria von Magdala,
bei Petrus und Johannes,
bei den Jüngern von Emmaus –
mit jedem Schritt.

Ein Funke sprang über:
im Garten am Grab,
beim Kohlenfeuer am See,
im Obergemach in Jerusalem –
auch heute noch.

Der Freude wuchsen Flügel:
in weinenden Augen,
in trauernden Seelen,
in enttäuschten Menschen –
sie sahen und glaubten.
Paul Weismantel